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Angeln in Breitungen
Angeln aus Leidenschaft...   

Von der Fischerei zum Angelsport an den Breitunger Gewässern.


In der Zeit ,als Viehmast noch intensiv betrieben wurde und in den Ställen nur wenig schlachtbare Tiere heranwuchsen,schätzte man Fische aus den Breitunger Seen,Teichen und

Bächen, sowie aus der Werra im Bereich Breitungen als willkommene Zukost.

Besonders in der Fastenzeit waren sie eine begehrte Speise.Für solche Arten,welche als besondere Leckerbissen galten,erzielte man sehr gute Preise beim Verkauf. Die Fischzucht brachte etwas ein und so war es kein Wunder,daß es eine ganze Reihe wohlgepflegter Fischteiche in der Breitunger Flur gab.

Das „Recht zu Fischen“ war im Mittelalter nicht jedem gegeben.Das betreiben einer Fischweide durch Fischer stand unter Aufsicht der Mönche und Nonnen aus den Klöstern sowie dem Adel Während der frühbürgerlichen Revolution 1525 ( Bauernkrieg ) forderten die aufständischen Bauern in ihren 12 Artikeln auch das Recht auf freien Fischfang ein.

Dann Gott dar Herr hot dos Vieh für dän Mensche geschaffe „

Vehement stritt man sich auch um dieses Recht, wie uns die Geschichte zeigte.

So mancher heute wüste oder in Wiesenboden umgewandelte Teich geht in seinem Ursprung auf die Klosterzeit,daß heißt vor 1525 zurück.

Die Beschreibung des Frauenbreitunger Amtes aus dem Jahre 1670 zählt 8 Teiche auf, welche in unserer Flur eingebettet lagen:


  1. Langer Simons- oder Knollbachteich

  • ein Laichteich für ca. 21 -29 Karpfen


  1. Craimarteich ( nicht zu verwechseln mit dem heutigem Craimarteich )

  • 1645 „ Nonnesehb“ genannt,war der ertragreichste Teich der Flur

und lag unterhalb des heutigem Friedhofes am Craimar fast bis an des

Werraufer grenzend.

  • Neben Hechten,Schleien und Aalen wurden alle 3 Jahre eine große

Menge Karpfen abgefischt.

  • 1850 erfolgte die Trockenlegung,beim Bau der „Werrabahn“ legte man

den Bahndamm mitten durch das Gelände dieses Teiches.

  • Noch 1880 stand dort ein Fischerhäuschen,welches in die Eisenacher Str.

in Breitungen umgesetzt wurde. ( neben H. Abe,direkt an der Straße )


  1. Auensee ( Heute Bußauer Teich )


  1. Glashüttenteich

  • Ab 1826 wurde dieser Teich nicht mehr bewirtschaftet,d.h. er ist in dieser

Zeit verlandet.Heute finden wir dort Sumpfgelände.


  1. Ziegelteichlein

  • Dessen Lage wird leider nicht genau beschrieben,aber es wird vermutet,daß

es sich um den verschwundenen 3. Knollbacher Teich handelt.

  • In der Nähe des Bahnhofes stand einst ein Ziegelbrennofen,was durch die

dortigen Tonfunde bewiesen wurde.Dies läst den Schluß zu,daß sich dort

auch das Ziegelteichlein befunden hat.


  1. Neuer Teich

  • Vermutlich der untere Knollbachteich gemeint.

  • Für die Umgebung der Knollbacher Teiche spricht der Volksmund von der

Flurbezeichnung „ Bei den 3 Teichen „.Tatsächlich wurden in der Karte von 1724 alle 3 Teiche eingezeichnet.

  • Der Knollbach und das Wasser der Quellen der Hohle speisten diese Teiche.


  1. Wüstensee

  • Ist das heutige Feuchtgebiet bzw. Schilfgürtel der Breitunger Seen.

  • Bereits 1848 ließ Herzog Bernhard einen Plan zur Trockenlegung der

Breitunger Seen erarbeiten,welcher aber nicht zur Ausführung kam.


  1. Frühmeßner Teich

  • 1826 erfolgte seine Trockenlegung


Flurnamen,die noch heute gepflegt werden,lassen die Vermutung zu,daß es früher noch

viel mehr Teiche und Seen hier im Breitunger Raum gegeben hat.

Zum Beispiel:  

Simmelsee wurde im Jahr 1360 als „ Schibelechte Sewe „ erwähnt.

Dieser See verlandete und wurde Sumpfgebiet,was auch heute noch zu sehen ist.

Im 18.Jhd. wurde dieses Gebiet auch Torfgrube genannt.Hier wurde für kurze Zeit

um 1835 Torf gestochen,welcher zur Düngung verwendet wurde.


Anfang des 18.Jhd. ließ die Bedeutung der Teichfischzucht merklich nach.

Wiesen und Ackerbau brachten höhere Erträge.Es wurden deshalb die meisten vorhandenen

Teiche trockengelegt und umgewandelt.

Die wohl bedeutensten Gewässer in der Breitunger Flur sind unumstritten die beiden

Breitunger Seen“

Die „ Breitunger Seen „ sind natürlichen Ursprungs. Im Volksmund hießen sie lang die

Schönen Seen „,was auch die Bedeutung dieser Gewässer für die Bevölkerung unterstrich.

Die Breitunger Landschaft gehört dem Buntsandstein an.Durch Herausspülen der darunter

liegenden Kalisalze kam es zu Absenkungen des Buntsandsteines,in welchen sich Wasser sammelte.

Die beiden Seen,daß heißt der „ Vordere See „ und der „ Hintere See „ sind durch den sogenannten Fischgang verbunden.Dieser Verbindungskanal ist bis in heutiger Zeit mit

dem Boot ( nur mit Sondergenehmigung ) zu befahren,da die bestehenden Strömungsverhältnisse zwischen den beiden Seen,welche aus hauptsächlichem Zulauf über Quellen am „ Hinteren See „ und Ablauf des Wassers über den Lachegraben in die Werra am  „Vorderen See „ ,diese Verbindung weitestgehend vegetationsfrei hält.

Ab dem Jahre 1939 begann die Aufschüttung des Sumpfgeländes der „ Breitunger Seen „,

welche sich bis zur heutigen Straße zum Bahnhof erstreckte,mit Asche und Schlacke aus der Braunkohleverbrennung im damaligen Breitunger Kraftwerk.

Dazu fuhr die Reichsbahn über extra verlegte Schienenstränge,welche heute noch im Naturschutzgebiet in der Nähe des inzwischen zurückgebauten Getreidespeichers am

Bahnhof erkennbar sind,Braun- und Steinkohlenasche an,welche dann im südlichen

Sumpfgebiet verschüttet wurde.

Nicht nur Asche wurde angefahren,sondern auch Fisch- und Tonabfälle wurden zur Verschüttung verwendet.Die Fischabfälle sollen Erzählung nach im Sommer einen lästigen Geruch über ganz Breitungen erzeugt haben.


                                                                                                                                     

Bereits am 15.Mai 1939 wurden die „ Breitunger Seen „ zum Naturdenkmal erklärt. Dies hatte aber nicht den Abbruch der Aufschüttung zur Folge!!

Ab 1947 verstärkte das inzwischen abgerissene „ Breitunger Kraftwerk“ die Asche- und Schlackeverkippung im Gebiet der Breitunger Seen. Aus diesem Grunde drohte der „ Vordere See „ in kürzester Zeit vollständig zu verschwinden.


1950 wurden die Seen zum Pflanzenschutzgebiet erklärt,aber auch das änderte nichts an der Umweltzerstörung in diesem Gebiet. Die Fläche der aufgeschütteten Aschehalde betrug zu dieser Zeit schon 10 Hektar !!

1956/ 1957 wurde der Bau der Seilbahn vom Kraftwerk in ein Seitental der Vorderröhn, dem Steinbruchsgraben fertiggestellt.Somit war ein neuer Lagerplatz für die anfallenden Asche und Schlackemassen erschlossen und die Auffüllung der Breitunger Seen wurde   

gestoppt.

Am 05.März 1957 erklärte man die Breitunger Seen,einschließlich das Gebiet des Wüstensees ( Sumpf-und Schilfflächen um die Seen ) zum Naturschutzgebiet.

Die größte gemessene Wassertiefe der Seen wird 1957 mit 3,7 m im Bereich „ Hinterer See „ angegeben,was sich bis in heutige Zeit nicht verändert hat. Bis zur Erklärung zum Naturschutzgebiet durften im Winter ¼ der Schilffläche durch die Landwirtschaft geschnitten werden.Das Schilf wurde als Viehstreu für die Ställe verwendet. Bei der Rekultivierung der bis 1957 aufgefüllten Aschenhalde wurden ca. 4000 freiwillige Arbeitsstunden durch Mitglieder des ehemaligen Angelvereines der DDR-Ortsgruppe Breitungen,durch Mitglieder des damaligen Kulturbundes,durch Mitglieder der damaligen FDJ, durch Schulen,Betriebe und Breitunger Bürger geleistet. Es wurden zur Abdeckung der Asche  ca. 40.000 Qubikmeter Mutterboden angefahren und

im Bereich Aschenhalde verteilt.

Die „ Werra „ hat als Fischereigewässer ebenso große Bedeutung wie die Kiesgruben rund um Breitungen, 1967 begann die Kiesförderung in Altenbreitungen.Dazu wurden durch die Gemeinde die in Privatbesitz befindlichen Wiesen und Äcker aufgekauft.Schnell erreichte dort die Wasserfläche sehr große Ausmaße,welche auch in heutiger Zeit noch zunimmt,da der Kiesabbau wietergeführt wird. Auf den Kiesseen entwickelte sich in den 80-ziger Jahren  der Surf und Segelsport sowie die Wasserflächen wurden zum Angeln und Baden durch die Bevölkerung genutzt. 

( teilweise unerlaubt )

1985 wird die Hochwasserschutzmaßnahme ,nämlich ein Damm (Flutmulde) zur Werra fertiggestellt. Die Werra konnte somit ungehindert bei Hochwasser,ohne den schmalen Uferbereich zur Kiesgrube hin zu zerstören,in den Kiessee abfließen. Die von Hochwassern geplagte Bevölkerung begrüßte diese Maßnahme sehr. 1987 fanden an der Kiesgrube in Breitungen die   

DDR-Meisterschaften im Angelsportlichen Mehrkampf „ statt.


Einige interessante Aufzeichnungen aus der Breitunger Chronik:

1194      

herrschte solche Trockenheit,daß die Werra für 2 Monate kein Wasser führte


1613      

eine gewaltige Flut ging als „ Thüringische Sündflut“ in die Geschichte ein


1776      

zerstörte die Brandung der Werra die „ Altenbreitunger Brücke „


1844  

Hochwasser zerstörte die Ölmühle bei der „ Frauenbreitunger Brücke „


1890      

bei Hochwasser wurde die Frauenbreitunger Mahl- und Schneidmühle so starkbeschädigt,daß sie abgerissen werden mußte.


1945/46

war der Winter so streng,daß selbst die Werra komplett zufror und ein Traktorbequem darauf fahren konnte.


1963      

im Januar 1963 kam es zu einer Naturkatastrophe,die ein Fischsterben verursachte durch lange Kälte waren die „ Breitunger Seen „ zu lange ohne Sauerstoffzufuhr. Tausende Fische sammelten sich an den wenigen eisfreien Stellen ( auch Salz- Quellen genannt ) und drohten an Sauerstoffmangel zu verenden. Es erfolgte durch die Breitunger Angler eine „ Große Umsetzaktion „ in die Werra. Eine große Menge der noch lebenden Fische wurde abgefischt und in die Werra bei Bußhof eingesetzt. Trotz großer Bemühungen wurde der Fischbestand der Seen stark dezimiert. Ein großer Teil des Speisefisches wurde auch an die Breitunger Bevölkerung zur eigenen Verwertung übergeben. Nicht nur die Natur sondern auch menschliches Verhalten war oft genug Ursache von solchen Katastrophen.


1945     

wurde die Werrabrücke gesprengt,wonach viele Fische in diesem Flußabschnitt verendeten.


1949     

Im Sommer des Jahres leitete das „ Kraftwerk Breitungen „ Kühlwasser in die  Werra .Da der Wasserspiegel zu dieser Zeit sehr niedrig war,wurde das Wasser      bis Bad Salzungen auf 48°C erwärmt. Fast alle Fische und Wasserlebewesen in diesem Flußabschnitt verendeten qualvoll. Diese Katastrophe wiederholte sich im Jahre 1957 und hatte die gleichen Auswirkungen.


1957     

Am 10.Juli wurde eine Vergiftung der Werra festgestellt. Es wurden 100 Zentner   vergiftete Fische aus der Werra geborgen.


1959  

im Sommer jagen russische Offiziere im Breitunger See Wasservögelund fischten mit Sprengstoff.



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